Das Coronavirus infizierte indirekt auch die Theatersäle der Schweiz, doch langsam heisst es auch hier: «The show must go on». Bei den Kammerspielen Seeb in Bachenbülach laufen die Vorbereitungen auf den Saisonstart im September auf Hochtouren. Für einen gelungenen Auftakt gibt es einiges zu beachten.
Christina Brändli
«Die Corona Pandemie hätte uns zu keinem schlechteren Zeitpunkt treffen können», bringt Urs Blaser, Theaterleiter und Gründer der Kammerspiele Seeb, die Lage auf den Punkt.

Der Theaterverein feiert dieses Jahr sein 45-jähriges Bestehen. Um den Anlass gebührend zu würdigen, lockte seit November 2019 das Stück «Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde» Theaterfreunde nach Bachenbülach. Mit sieben Schauspielerinnen und Schauspielern eine Grossproduktion für das kleine Theater. Unter den Darstellern bekannte Namen wie Walter Andreas Müller, Sabina Deutsch oder Reto Mosimann.

Die Saison war voll im Gang, als im März die Nachricht des Lockdowns die Nation überraschte und beinahe zum Stillstand brachte. Auch das Team und die Darsteller verliessen am 12. März die Theaterräume in der festen Annahme, dass sie am nächsten Tag wieder auftreten würden. Das Coronavirus beendete die Saison, die eigentlich von September bis Juni dauert, jedoch mit einem Schlag. Seither sind besonders die Künstlergarderoben wie in einer Schockstarre gefangen. Requisiten, Premiere Geschenke, schokoladige Stärkungen, Kostüme oder Perücken, alles wartet unbewegt auf die Rückkehr der Schauspieler.
Rettet die Kammerspiele
Von den geplanten und ausverkauften 100 Vorstellungen mussten rund 60 abgesagt werden. Der finanzielle Schaden, immens und existenziell: «Wir sprechen hier von zirka 400`000 Franken», so Blaser. Damit sich der Verein retten konnte, beantragte Blaser sofort Kurzarbeit und eine Ausfallentschädigung. Auch die Besucher wurden aktiviert: «Wir starteten mit <Rettet die Kammerspiele Seeb> eine Spendenaktion unter unseren Zuschauerinnen und Zuschauern. Mit diesen Massnahmen konnten wir den wirtschaftlichen Schaden zum Glück gut auffangen», kann Blaser heute erleichtert berichten.
Keine Masken im Saal
So still es in den letzten Monaten auf der Bühne geworden war, im Hintergrund liefen Telefone und Mitarbeiter heiss: «In der Administration gab es mehr zu tun als sonst. Besucherinnen und Besucher kamen mit Fragen auf uns zu, wir mussten sämtliche abgesagten Vorstellungen zurückerstatten oder trotz der Ungewissheit die neue Theatersaison planen», zählt der Theaterleiter auf.
Jetzt gilt es, die Energie nach vorne zu richten: «Unser Sicherheitskonzept basiert auf den aktuellen Vorgaben», sagt Blaser. «Stand jetzt, dürfen wir alle 85 Sitzplätze im Saal besetzen. Obwohl wir den Sicherheitsabstand unterschreiten, müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer während des Stückes im Saal auch keine Maske tragen.» Grund dafür sei, dass das Publikum während der Vorstellung nicht miteinander kommuniziert und alle Richtung Bühne schauen.

Für die Kammerspiele eine grosse Erleichterung: «Wir sind darauf angewiesen, zwischen 60 und 80 Prozent des Saals belegen zu können.» Auch an den Tischen im Foyer muss keine Maske getragen werden: «Lediglich beim Durchqueren der Räume gilt eine Maskenpflicht.»
Das Lager der Theaterbesucher sei geteilt, sagt Blaser: «Der Vorverkauf läuft nicht ganz so gut wie in anderen Jahren. Die Zuschauer bilden zwei Lager, diejenigen, die eine Vorstellung nur mit Maske besuchen möchten und diejenigen, die nur kommen, wenn keine Maskenpflicht herrscht.» Als Veranstalter empfehlen die Kammerspiele das Tragen einer Maske auch während der Vorstellung: «Die Entscheidung liegt jedoch bei jedem Einzelnen.» Im Video erzählt er wo die Probleme liegen und wie es seiner Meinung nach in der Theaterbranche weitergeht.
Die Schauspieler werden so lange wie möglich keine Masken tragen: «Die Darsteller leben während der Zeit der Produktion beinahe wie eine Familie zusammen und sehen sich jeden Abend. Natürlich sind sie dazu angehalten, ihren Alltag entsprechend zu gestalten und sich möglichst wenigen Risiken auszusetzen». Durch den Abstand zum Publikum besteht für die Zuschauer keine Gefahr.
Kreative Zwangspause nutzen
Ganz untätig waren die Schauspielerinnen und Schauspier jedoch auch während des Lockdowns nicht, erzählt Blaser: «Wir haben mit den Darstellern des aktuellen Stückes eine zwölfteilige Video-Serie mit dem Namen <Die Papst-Quarantäne> produziert. Das erste Video stammt von Walter Andreas Müller.»:
Saison Start im September
Die neue Saison startet Mitte September, zumindest auf der Bühne, beinahe so, als ob die Darsteller tatsächlich am 13. März ganz normal wieder zur Arbeit erschienen wären, mit dem Stück «Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde». Sollte sich die Situation bis zu diesem Zeitpunkt verschlechtern, so haben Blaser und sein Team einen Plan B: «Notfalls können wir für die Vorstellungen von <Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde> in die Mehrzweckhalle der Gemeinde ausweichen.»
Für die restliche Saison sind nur noch Stücke mit zwei Schauspielerinnen und Schauspielern geplant, das hat mehrere Gründe: «Einerseits, halten wir so das finanzielle Risiko tief, andererseits könnten wir so auch Vorstellungen tragen, bei denen der Theatersaal nur so weit gefüllt wird, dass der Sicherheitsabstand gewährleistet werden kann», erklärt Blaser.
Die Proben für die neuen Stücken beginnen anfangs September. Bleibt ganz nach alter Theatermanier nur noch eines zu wünschen: Toi toi toi.